
Ja, ihr lest richtig! Ich habe es tatsächlich geschafft mir die Hauptstadt des Landes anzuschauen. Eigentlich hatte ich schon im Dezember mit einer Freundin fliegen wollen. Allerdings machte mir da meine Kasse einen Strich durch die Rechnung so kurz vor dem 3wöchigen Urlaub mit meinem Paps und meiner Freundin Maria. Kurzzeitig hatten wir sogar überlegt auf unserem Südinseltrip einen Abstecher mit der Fähre nach Wellington zu machen. Aber es wäre einfach zu stressig geworden.
Also hatte ich mich zwischenzeitlich schon mit dem Gedanken angefreundet, die Hauptstadt doch nicht mehr zu sehen, aber dann erfuhr ich, dass ich noch mal ein Wochenende vollständig frei haben würde und zwar vom 25. bis 27. Februar. Aber das war das Wochenende, an dem Stan Walker (ein neuseeländischer Künstler) auftreten würde und ich hab mich schon seit Ewigkeiten auf das Konzert gefreut. Kurzerhand entschied ich mich einfach zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen an dem Wochenende: Folglich sind wir abends zum Konzert gegangen und Samstag morgen zeitig nach Wellington geflogen, um Sonntagabend wieder in Auckland aufzuschlagen. Netterweise hatte sich Nikolina bereit erklärt, mich zu begleiten, sodass ich die Reise nicht alleine antreten musste.
Im Vorfeld hatte ich übrigens Kontakt mit einem Ehepaar in Wellington aufgenommen, was durch einen lustigen Zufall passiert ist. Meine Freundin Anja, hat das Ehepaar vor Weihnachten in Halle kennen gelernt, da sie ihr ehemaliges Gastkind besuchen wollten. Sie waren gerade in Deutschland, um ihre Tochter zu besuchen und machten dabei einen kurzen Abstecher. So trafen sie Anja, die ihnen widerum von mir erzählte, die ich da in Auckland sitze und kurzerhand gaben sie ihr einfach mal ihre Emailadresse, sodass ich ihnen schreiben könnte. Ich nahm das Angebot gerne an und über mehrere Umwege bekam ich dann schließlich über Facebook Rogers Antwort. Ich hatte lediglich um ein paar Vorschläge gebeten, was wir mit unserer begrenzten Zeit in Wellington anfangen könnten, doch sie bestanden schließlich darauf, dass wir für diese eine Nacht einfach bei ihnen schlafen sollten. Sehr erfeut über die Gastfreundschaft, nahmen wir das Angebot an und konnten so Geld für die Unterkunft sparen.
Samstag früh klingelte dann auch schon gegen 5Uhr der Wecker. Da ich wegen dem Konzert am Abend zuvor erst 00.30Uhr ins Bett gekommen war, zeichnete sich schon recht zeitig ab, dass ich mich den ganzen Tag die Müdigkeit plagen würde. Aber es stand ja ein aufregender Tag bevor. Etwas abgehetzt kam ich dann schließlich mit dem Scooter bei Nikolina an, wo auch schon das Shuttle zum Flughafen auf uns wartete. Mit einem komischen Gefühl im Bauch ging es dann zum International Airport – ich hasse nichts mehr, als in Eile das Haus zu verlassen. Ständig quälen einen dann die Gedanken, ob man alles abgeschlossen hatte usw. und viel schlimmer noch ist das Gefühl, wenn es nicht das eigene Haus ist. (Meine Gasteltern sind mit den Kindern übers Wochenende verreist, somit trug ich die Verantwortung.)
Am Flughafen gönnte ich mir dann erstmal einen Kaffee und einen Muffin, hatte in der Eile nicht mal frühstücken können. Pünktlich 07.45 Uhr machte sich unser Flieger dann auf die Socken, um uns nach Wellington zu bringen. Es war ein ruhiger und kurzer Flug, den wir hauptsächlich zum Schlafen nutzten (Nikolina hatte noch viel weniger geschlafen, da sie im Bad etwas länger braucht ;) ). Eine Stunde später landeten wir dann unter den typisch windigen Bedingungen in Wellington. Die Roaring Fourties halt.
Für alle die sich mit Geografie nicht so auskennen, eine kurze Erläuterung: Die vierzigsten Breitengrade auf der Südhalbkugel zeichnen sich vor allem durch wenig Landmasse aus. Das heißt von Südamerika bis Neuseeland befindet sich auf einigen Breitengraden keinerlei Landmasse, welche die Windströmungen stoppen könnten. Was widerum bedeutet, dass sie fast ungehemmt auf Neuseeland treffen und sich dort dann durch das kleine Nadelöhr Cook Strait quetschen. Die Cook Strait ist die Meeresenge zwischen der Nord- und Südinsel und an der Spitze der Nordinsel liegt Wellington, den Winden völlig hilflos ausgesetzt. Roger erklärte mir später dann, dass man in Wellington oft beobachten kann, dass Flugzeuge im Landeanflug sind, plötzlich wieder aufsteigen und von der anderen Seite landen müssen, da die Winde in Wellington so schnell wechseln. Wenn ihr mal einen besseren Eindruck bekommen wollt, klickt diesen LINK. Ihr werdet staunen, was die Piloten so alles mitmachen. Aber keine Angst, unsere Landung war vergleichsweise ruhig.
Am Flughafen erwartete uns dann auch schon Roger (nachdem ich ihn kurz angerufen hatte, fanden wir uns dann auch) und begrüßte uns herzlich mit einer Umarmung. Dann ging es auch schon zum Auto und erklärte uns, dass er wegen dem Erdbeben in Christchurch nichts zu tun hätte und unser persönlicher Tourguide sein könnte. Er sollte eigentlich bei der Volkszählung mit helfen, die momentan durchgeführt wird/wurde. Aber wegen den vielen nun obdachlosen Menschen in Christchurch ist keine verlässlich Haushaltsbefragung mehr möglich und es musste verschoben werden.
Zuerst fuhren wir zu ihnen nach Hause, um unser Gepäck abzuladen. Seine Frau Brenda war gerade ausgegangen, um mit der Austauschschülerin aus Deutschland frühstücken zu gehen, so war also das Haus leer als wir ankamen. Sie wohnen auf einem Berg mit einem wunderschönen Ausblick auf Wellington und die Berge ringsherum. Ich hätte nicht gedacht, dass Wellington so bergig ist.
Als wir in das Haus kamen, waren wir zunächst etwas geschockt. Brenda und Roger haben echt super viel Kram und das ganze Haus ist völlig zugestellt mit Krimskrams und allerlei Sachen. Aber bei zwei so netten und herlichen Menschen wie Brenda und Roger, kann man über so eine kleine Macke, dann auch dankbar drüber hinweg schauen.
Dann fuhr Roger uns auch gleich in die Stadt zum Te Papa, das ist ein in Neuseeland sehr bekanntes Museum zur Geschichte Neuseelands, Ausstellungen zum Tierleben, Erdbeben, etc. Mir hatten schon einige davon vorgeschwärmt und war deshalb froh, dass wir es uns gleich zu Beginn anschauen konnten. Das tolle an Museen in Neuseeland ist, dass sie fast immer kostenlos sind und so konnten wir gratis die tolle Architektur bestaunen. Die ganzen Ausstellungsstücke waren bei unserer Müdigkeit leider etwas zu viel für uns. Aber wir bekamen einen Eindruck von dem Museum und waren beeindruckt.







1. Ein riesiger, mittlerweile ausgestorbener Laufvogel – Moa.
2. Der größte präparierte Giant Squid.
3. Ein Walskelett.
4. Ich und ein überdimensional großes Herz bzw. das Herz eines Blauwals.
5. Das Kreuz des Südens – Symbol auf Neuseelands Flagge.
6. Christchurch von oben (vor dem Erdbeben).
7. Eine bunte Bühne :D
Danach warteten Brenda, Roger und Lisa, die 16jährige Austauschschülerin im Foyer auf uns, um mit uns Lunchen zu gehen. Wir lernten uns etwas besser kennen und ich war beeindruckt, wie leicht es war sich mit ihnen zu unterhalten. Bis jetzt hatte ich doch öfter den Eindruck gewonnen, dass die Kiwis zwar immer gern mit jedem Smalltalk halten, aber nur an der Oberfläche kratzen. Aber ab einem bestimmten Punkt bekommt man einfach das Gefühl, jetzt wird es ihnen zu privat. British politeness – britische Höflichkeit mit der ebenso bekannten britischen Distanz. Doch Brenda und Roger waren da ganz anders und das war sehr angenehm.
Als wir fertig geluncht hatten, machten wir uns auf den Weg zum berühmten Cable Car (Standseilbahn) und liefen dabei ein wenig an der Waterfront entlang, wo mehrere Klassen der örtlichen Schulen tatsächlich Drachenboot fuhren. Ich dachte, so was gibt’s hier unten nicht, aber ich musste mich eines besseren belehren lassen. Sie hatten sogar Schlachtrufe und angedeutete Kostüme, obwohl sie gerade erstmal für das eigentliche Rennen Ende März trainierten. Dann ging es weiter durch das schöne Stadtzentrum Wellingtons, was meines Erachtens wesentlich mehr Charme besitzt als die Queen Street und der Hafen von Auckland. Die Queen Street ist im Vergleich total alt und verdreckt und der Hafen eher kommerziell. Wellington hat trotz Hauptstadttitel etwas provienzielles, was mich sehr an Dresden erinnert und mir deshalb auch besonders gut gefallen hat.






Die Kugel hat mich echt beeindruckt. Man hat kaum gesehen, wo sie fest gemacht war.
Dann ging es mit dem Cable Car auf einen der vielen Berge Wellingtons hinauf, wo uns eine wunderschöne Aussicht erwartete und ein tolles Planetarium. Im Planetarium gab es auch zufällig gerade eine Show. Da ich mich in meine Kindheit zurück versetzt gefühlt habe, wo ich von Sternen und Planeten gerade zu besessen war, war ich sofort heiß auf die Show, zumal ich doch tatsächlich was über den südlichen Sternenhimmel erfahren könnte. Nikolina zeigte sich weniger begeisterte und spazierte lieber durch den botanischen Garten nebenan. Roger musste zum Auto zurück, da das Ticket abgelaufen war. Also ging ich allein mit Brenda rein und ich hab es nicht bereut. Es war ein super toller Film in der Kuppel des Planetariums zu sehen, was mich schon total beeindruckte. Danach lernte ich etwas über das Kreuz des Südens und andere Sternenbilder. Im Anschluss konnten wir uns dann die kleine Ausstellung angucken, die interessante Fakten zu den Planeten aufzeigte und das war genau das richtige für meinen Verstand. Informationen wie die Tatsache, dass eine Nacht auf dem Uranus 42 Jahre dauert, prägen sich bei mir ein wie kaum andere Fakten. So weiß ich seit der 4. Klasse, dass die Erde 11 mal in den Durchmesser des Jupiters passt. Verrückt :D




Hinterher trafen wir Nikolina und Brenda zeigte uns eine faszinierende Sonnenuhr. Auf dem Boden war eine 8 aufgemalt an der die Monate verteilt waren. Dahinter war ein Halbkreis aus Steinen, die die Zahlen 1 bis 12 zeigten. Wenn man sich nun auf den Monat stellte, der gerade ist würde der Schatten des eigenen Körpers auf einen der Steine fallen und die Uhrzeit verraten. Als wir da waren machte ein Amerikaner es gerade vor, stellte sich auf den Februar und fragte ob es drei Uhr wäre und tatsächlich, es war kurz nach drei. Der Schatten lag sogar ein kleines bisschen neben der drei, sodass die Sonnenuhr die Uhrzeit sogar auf die Minute genau anzeigte. Wirklich beeindruckend.

Auf der Platte muss man sich positionieren, um einen Schatten auf die Steine zu werfen, an dem man die Uhrzeit ablesen konnte.
Dann ging es auch schon wieder zum Cable Car und hinunter ins Stadtzentrum, wo Roger geduldig auf die Weiberbande wartete. Nun bestanden die Beiden darauf uns zum Kaffee einzuladen, was ich sehr nett fand, auch wenn es mir immer sehr schwer fällt so etwas zu akzeptieren, zumal sie sowieso schon so viel für uns taten.
Als wir unseren Kaffee ausgetrunken hatten, machten wir uns auf dem Weg zum Parlament Wellingtons, was auch unter dem Namen Beehive (Bienenstock) bekannt ist, da es wirklich aussieht wie einer. Leider war die letzte Tour schon vorbei und ich konnte das Parlament nicht von innen sehen, aber es war nicht besonders tragisch. Wieder etwas mehr, was ich tun muss, wenn ich in ein paar Jahren zurück komme :D

Der Beehive.
Stattdessen fuhren wir allerdings ein bisschen aus dem Stadtzentrum hinaus in ein eher abgelegenes Viertel, um die Weta-Caves zu besuchen. Ich konnte mir unter dem Namen zunächst nichts genaueres vorstellen und war davon eher abgeschreckt, da Wetas ekelhafte, überdimensional große Grillen oder so etwas ähnliches sind. Aber meine Vorstellung sollte sich schneller als gedacht als falsch heraus stellen, denn die Weta-Caves bezeichnen eines der größten Art Studios der Welt. Dort worden sämtliche Special Effects von Avatar und Herr der Ringe erstellt, um nur einige der großen Produktionen zu nennen. Von Maskenbildnerei, über Waffenproduktion bishin zur Computer-Animierung gibt es in der Produktpalette der Weta-Caves alles, was das Herz der Fantasy-Liebhaber begehrt. Dort verriet man uns unter anderem dann auch, dass 1 Frame eines animierten Films ca. 100 Arbeitsstunden entspricht. Bei 32 Frames pro Sekunde ist das eine ganze Menge Arbeit, die für einen 3stündigen Film, wie beispielsweise Avatar, draufgeht.
Leider kann man die Studios selbst nicht besuchen, da sämtliche Projekte bis zur Veröffentlichung in ein Tuch des Schweigens und der Geheimhaltung gehüllt werden. Bei der heutzutage üblichen Massennutzung globaler Kommunikationsmittel ist es aber auch nicht wirklich verwunderlich. Top Secret also. Stattdessen führte man uns in ein Minikino (nachdem wir unauffällig durch den Merchandiseraum geführt worden waren). In dem Kino wurde dann ein sehr unterhaltsamer und lehrreicher Film über die Studios gezeigt, der den Besuch in den Weta-Caves definitiv wert war. Außerdem macht er Lust auf mehr. Ich würde mir nun doch gerne noch Hobbiton anschauen :)


Danach fuhren wir kurz zu Brenda und Roger nach Hause, um im Strawberry Fare eine Reservierung zu machen. Dazu solltet ihr wissen, dass ich vor meinem Abflug in Deutschland mehrere Blogs von Mädchen gestalkt habe, die auch in Neuseeland stationiert sind. Dabei habe ich eine Clique entdeckt, die regelmäßig den Leckereien in einem Restaurant frönt, dass fast ausschließlich Desserts auf seiner Speisekarte anzubieten weiß. Seitdem wollte ich – sollte es mich in die Hauptstadt verschlagen – in genau dieses Restaurant. Als ich Brenda und Roger davon erzählte, wussten sie auch sogleich wovon ich sprach und machten für uns eine Reservierung. Nachdem wir uns einige Bilder ihres Urlaubs in Deutschland angeschaut hatten und ich bei den Bildern vom Dresdner Weihnachtsmarkt ganz sentimental geworden bin, fuhren wir auch schon wieder ins Stadtzentrum. Lisa war übrigens nicht dabei, weil sie den ganzen Nachmittag und Abend mit Freunden ihrer Eltern in Deutschland verbracht hatte.
Im Restaurant selbst stellte ich erstmal fest, dass ich nach dem ganzen Süßkram über den Tag etwas herzhaftes brauchte. Den anderen ging es ähnlich und so hatten wir uns relativ schnell für ein paar Vorspeisen entschieden, die keinen Zucker enthielten. Doch dann kam die Aufgabe des Tages: Wählen Sie aus 30 Desserts bitte das aus, welches Sie am meisten anspricht. Leichter gesagt als getan, allein schon die Namen hatten etwas verführerisches an sich. Ich musste sogar eine Münze werfen, um mich am Ende genau für das Gegenteil zu entscheiden, was die Münze vorgeschlagen hatte. So hatte ich wenig später einen Teller vor stehen mit dem Dessert Very Berry. Allerdings hatte das Dessert eine Größe von einem Hauptgang eines Menüs und es sah sehr extra vagant aus. Zum Beweis gibt es natürlich Fotos.




V.r.n.l: Französischer Kuchen mit heißen Himbeeren und White Chocolate Ice Cream (Brenda). Sticky Date Pudding mit Sauce Anglaise, Vanille Eis und einer Extra Kugel Hokey Pokey Eis (Roger). Very Berry (meins) – Brombeersorbet, Himbeerpanacotta, Beerenkäsekuchen, Beerentarte und Beerensoße. Chocolate Madness (Nikolina) – Brownie, White Chocolate Panacotta, Schokoladeneis und noch mehr :D
Danach fuhren wir noch auf einen Berg von dem wir eine wunderschöne Aussicht auf den erleuchteten Hafen von Wellington hatten (übrigens hatte die Queen Elizabeth gerade angelegt, da sie wegen dem Erdbeben nicht nach Christchurch konnte). Leider begann es zu nieseln und der Wind war auch recht stark, sodass ich lediglich ein paar Fotos machte und dann froh war schnell wieder im Auto zu sein. Zuhause angekommen quatschen wir noch eine zeitlang und gingen dann völlig übernächtigt ins Bett.
Am nächsten Morgen standen wir recht früh auf und entschieden uns allerdings trotzdem dagegen mit Brenda, Roger und Lisa in die Kirche zu gehen. Ich hätte den Gottesdienst gern gesehen, da sie hier viel ansprechender, lockerer und lustiger zugehen, aber Nikolina ist kein Fan davon und ich wollte sie nur ungern alleine zurück lassen. Also beschlossen wir einen Strandsaziergang zu machen, aus dem aber auch nichts wurde, da wir einfach zu langsam waren und beim Frühstück rum bummelten. Zum Sonntagmorgen allerdings auch nicht verkehrt.

Ausblick von Brendas und Rogers Terrasse.
Als Roger, Brenda und Lisa gegen Mittag wieder eintrudelten machten wir uns gleich auf den Weg zum Kaitoke National Park, wo wir uns Bruchtal aus dem Film Herr der Ringe anschauen wollten. Nach einem kleinem Stopp zur Stärkung für den Nachmittag ging es auch schon in einen kleinen abgelegenen Wald, der allerdings gut besucht war. Ziemlichviele Besucher nutzten die Sonnenstrahlen, um im klaren Flusswasser zu baden. Mich fror es jedoch schon vom Zuschauen, denn trotz Sonnenschein war es recht frisch. Bevor wir zum Bruchtal wanderten, hielten wir noch kurz an einem kleinen Staudamm und genossen die Aussicht auf den wilden Flusslauf.
Danach kam die Hauptattraktion. Über eine Brücke führte der Weg in den Park hinein und riesige Bäume beeindruckten uns. Der Weg führte über eine Wiese, durch etwas Gebüsch zu mehr Bäumen und einem Schild, dass einen Ausschnitt aus dem 1. Teil der Herr der Ringe Triologie zeigte und das war’s! Ein kleiner Wald durch dessen Zweige hindurch man einen kleinen Flusslauf sehen konnte und das sollte das beeindruckende Bruchtal gewesen seien? Wieder einmal beweist dieser Fall, dass man im Fernsehen ganz schön tricksen kann. Da es schon eine Weile her ist, dass ich den Film gesehen hatte, konnte ich mir auch nicht mal mehr zusammen reimen welcher Baum in welcher Szene vorgekommen sein könnte und anscheinend hat man die etwas aufschlussreicheren Tafeln im Park entfernt. Warum auch immer.
Schön war der Park trotzdem und er hatte eine Hängebrücke zu bieten. Die Dinger sind echt cool, allerdings hatte ich schon etwas Angst um meine gute Kamera, deshalb hielt ich sie besonders fest. Man musste sogar ein paar Minuten warten bevor man auf die Brücke konnte, da sie so schmal war, dass sie jeweils nur von einer Seite begangen werden konnte. Dann gab es noch einen kleinen Spaziergang vorbei an Kauribäumen und Silverfern, der Nationalpflanze Neuseelands.




Lisa auf der Hängebrücke. Ein Monsterbaum, den ich vergessen hab zu drehen. Das Schild zu Bruchtal. Nikolina und ich.
Danach ging es zurück nach Wellington, wo Melanie, Rogers und Brendas Tochter, auf uns mit ihrem Sohnemann Sebby (2 Jahre) auf uns wartete. Roger und Brenda waren ganz besessen davon uns ihren ganzen Stolz Sebby vorzustellen und der Kleine war auch zuckersüß. Bald muss er allerdings die Aufmerksamkeit seiner lieben Großeltern mit einem Geschwisterchen teilen, denn Melanie und ihr Mann erwarten ihr zweites Kind im Frühsommer. Außerdem ist mir positiv aufgefallen, dass die Unordnung ihrer Eltern nicht auf Melanie abgefärbt hat ;)
Nach dem kurzen Besuch (Sebby war bei Nachbars zum Pizzaessen eingeladen :) fuhren wir noch zu einem schönen Aussichtspunkt etwas außerhalb von Wellington. Der Aussichtspunkt befand sich an einem der wenigen Windradpärke, die es in Neuseeland gibt und die Kiwis sind anscheinend stolz drauf. Die Aussicht jedenfalls war atemberaubend (siehe Panoramabild oben), nur der Wind hat mich beim Fotografieren ganz schön genervt.




Ich vorm Panorama. Roger und Brenda, unsere Gastgeber. Nikolina und ich im typischen Wind von Wellington bei dem Versuch ein Foto aufzunehmen. Ausblick auf die Südinsel (Kaikoura Coast).
Danach ging es zurück zu Brendas und Rogers Haus, denn Lisa musste noch einige Hausaufgaben erledigen. Eigentlich wollte Brenda mit uns noch zum Strand hinunter, aber wir waren alle ziemlich Knülle (wohl eher von der Woche als von dem Tag an sich) und ruhten uns etwas aus, während wir die aktuellsten Nachrichten zum Christchurch Erdbeben mitverfolgten.
Als letztes Highlight an diesem Wochenende fuhren wir etwas später alle zusammen zum Mongolen. Brenda und Roger hatten den Abend zuvor davon geschwärmt und ich hatte darauf hin den Satz fallen lassen, dass ich in Auckland auch gerne mal zum Mongolen wollte. Brenda und Roger jedoch luden Nikolina und mich noch an diesem Wochenende zu einem tollen Essen ein. Das tolle am Mongolen ist, dass es eine riesige Bar mit rohen Zutaten gibt, von Gemüse und Kohl über Nudeln bis hin zu Fleisch gab es alles mögliche, womit man seine Schüsseln füllen konnte. Dann gab es noch eine Theke mit Gewürzen und Soßen, die man auf seine Sachen in den Schüsseln gab und dann wurde die Schüssel an den Koch überreicht, der den Inhalt auf einer riesigen, heißen Platte verteilte und für uns grillte. Anschließend packte er alles wieder in die Schüssel und mit etwas Erdnusssoße verfeinert konnte das Mahl beginnen. Sehr lecker! Und obendrein für uns auch noch umsonst. Ich kann es immer noch nicht fassen, wie gastfreundlich Brenda und Roger waren und wie viel sie uns spendiert haben!





Wir beim Mongolen.
Nach dem Dinner wollte uns Brenda unbedingt noch das kleine Kino “Embassy” zeigen, indem die Weltpremiere von dem 3. Teil der Heer der Ringe Triologie gefeiert wurde. Leider konnten wir nicht in den Kinosaal selbst, da gerade eine Vorstellung lief, aber wir konnten uns den Rest der Räumlichkeiten anschauen. Es war sehr schön, aber kaum zu fassen, dass sämtliche Stars hier über den roten Teppich gelaufen sind – in so einem kleinen Kino. Brenda meinte, dass die Sitze in dem Saal nun den Namen von dem Star tragen, der zur Premiere darauf gesessen hatte. Abgefahren.





The Embassy.
Dann mussten wir zurück, denn unser Flieger sollte ja 22.35Uhr gehen und wir mussten noch unsere Sachen von Brenda und Roger holen und Lisa musste weiter Hausaufgaben machen. Bevor wir allerdings zum Flughafen aufbrachen, zeigte uns Brenda noch einen atemberaubenden Ausblick auf Wellington bei Nacht. Seht selbst.

Und dann ging’s los. Wieder zurück zum Flughafen. Der Abschied von Brenda und Roger war sehr herzlich und dementsprechend auch gar nicht so leicht. Obwohl ich sie erst einen Tag zuvor kennen gelernt hatte, war ich total begeistert von ihnen. Soviel Gastfreundschaft habe ich hier in Neuseeland noch nicht erlebt und es hat mich auch etwas melancholisch gestimmt, dass ich das erst fast zum Ende meines Aufenthalts erfahren konnte. Aber man weiß halt nie, was der Weg einem bereit hält.
Nun hieß es in den Flieger, der hatte allerdings noch mehr Verspätung als im Internet zuvor angekündigt und sollte erst 23.25 gehen. Fast eine Stunde Verspätung und das um diese Zeit! Wir mussten ja beide am nächsten Morgen früh wieder raus. Aber im Flieger erzählte man uns dann, dass es aufgrund des Erdbebens in Christchurch zu dieser Verspätung gekommen war. Seit dem Erdbeben an dem Dienstag zuvor waren zig Maschinen außerplanmäßig geflogen, um alle, die aus Christchurch raus wollten/mussten auch raus zu bekommen. Bei diesem Grund konnte ich auch nicht wirklich wütend sein und nahm gern in Kauf, dass ich etwas später ins Bett fallen würde.
Die Landung war übrigens spektakulär. Auckland bei Nacht ist schon fasziniert, vor allem wenn man hier und da schwarze Wolken über den tausenden Lichtern sieht. Sehr beeindruckend und der Pilot hat die beste Landung hingelegt, die ich je erlebt habe. Auf Englisch würde man jetzt sehr treffend sagen: “Very smooth.” Mir fällt dazu kein schöner deutscher Begriff ein :D
Unser Shuttle wartete schon vorm Flughafengebäude auf uns und es gab noch eine witzige Begegnung. Denn unser Fahrer war wie Nikolina aus Finnland und zudem noch ein Freund von Nikolinas finnischer Gastfamilie. An Weihnachten hatte er für Nikolinas Kinder den Weihnachtsmann gespielt und dann fiel es auch Nikolina wieder ein. Sehr lustig. Bei Nikolina angekommen, packte ich meinen Scooter und fuhr zurück nach Hause. Ein weiterer Trip endete nachts 1.30Uhr. Und es hat sich gelohnt!
Eure Steph